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Kolumne

Kann ich das überhaupt?

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In den Sommerferien kam mir zum ersten Mal der Gedanke. Und dieser wurde innerhalb weniger Tage partout zu einer fixen Idee: Ich möchte Lehrerin werden. Schon vor Jahren hatte mich das Lehramt angelacht. Mit meinem Studienabschluss konnte ich ja eigentlich Kunst und Bildnerische Erziehung unterrichten ...

... das Einzige, was fehlen würde, waren die pädagogischen Eignungsprüfungen. Aber es war damals schon als „normaler Lehrer“ schwer, eine Stelle zu bekommen. Die Wartelisten waren lang. 

 

Also verwarf ich den Gedanken für ungefähr zehn Jahre. Und dann kam der Sommer 2023. Ich war in meinem Job zwar zufrieden, aber die Bezahlung stimmte nicht. Ich fühlte mich auch unterfordert als Bibliothekarin und wollte beruflich mehr. Nur meine Kollegen, die würde ich wirklich schmerzlich vermissen. Aber wer wagt, gewinnt. Dann erfuhr ich – teils von Bekannten, teils aus den Medien – dass es nun einfache Möglichkeiten für den Quereinstieg ins Lehramt gibt. Durch den eklatanten Lehrer*innenmangel wurden Fachleute gesucht. Eine gute Bekannte von mir erzählte, dass ihr Mann das auch machen würde. Also rief ich ihn an. Er gab mir wertvolle Tipps. Zusätzlich holte ich mir Infos von Bund und Land. 

 

Und dann ging es auch schon los: Wo sind denn nur meine Diplomzeugnisse? War ja klar, dass wir Anfang Juli auch noch eine Überschwemmung im Keller hatten und die Dokumente irgendwo herumlagen. Was für ein Spießrutenlauf! Ordnung ist ja quasi das halbe Leben. Naja, wenn ich denke, wo ich überall gesucht habe … Aber schließlich hatte ich meine sieben Sachen beinander und konnte alles einreichen. Ganz ehrlich: Ich war mir nicht wirklich sicher, ob das klappen würde und habe schön gezittert, ob meine Unterlagen überhaupt passen würden. Aber oho:  Es passte alles und zack – ich war tatsächlich befugt, mich als Lehrerin zu bewerben. Wow! 

 

Nun ging es darum, dass ich eine gute Stelle finden sollte. Die Warteliste von damals gab es nun nicht mehr und man muss sich quasi „ganz normal“ bei einer Schule bewerben. Ich habe mich bei einigen Schule gemeldet und hatte schließlich das Glück, in einer ganz wunderbaren Mittelschule nur zehn Minuten von meinem zu Hause entfernt, eine Stelle zu bekommen. Wahnsinn! Ich konnte mein Glück gar nicht richtig fassen. Anfang Oktober sollte es losgehen, das erfuhr ich Ende September. Nun musste ich noch kündigen, alle meine Termine umschmeißen und in kalte Wasser springen. Und ich sprang!

 

Was für eine neue Chance und zugleich neue Herausforderung: Würden mich die Kinder und Kolleg*innen als Quereinsteigerin überhaupt akzeptieren? Ich malte mir schon die wildesten Dinge aus, bevor ich das erste Mal in einer Klasse stand. Und es war kurz gesagt: wunderbar. Die Kolleg*innen sind ein Traum, die Kinder freundlich und angenehm. Natürlich gibt es hie und da ein bisschen Wirbel, aber ohne den wäre es ja fast zu perfekt. 

 

Ich bin das erste Mal in meinem Leben im Job angekommen. Das habe ich sogar meinem Mann erst kürzlich beim Mittagessen erzählt – er ist übrigens auch Pädagoge. Er meinte: „Verschrei es nicht!“ Aber diesmal geht irgendwie alles wie von alleine. Ein Stein passt genau auf den anderen und meine Fächer sind genau das, was ich kann und worüber ich viel weiß. Es gibt noch viel zu Llrnen, aber ich bin schon immer jemand gewesen, der sich gerne fortbildet. Deswegen ist es eine richtige Bereicherung für mich, wenn es heißt „Auf zum Kurs“. Vielleicht schwebe ich derzeit noch in meiner Junglehrer-Blase und werde in der nächsten Kolumne schon richtig abstänkern. Als jemand, der aus der Privatwirtschaft kommt und bereits in vielen Jobs tätig war, ist dieser Beruf eine wahre Offenbarung. Ich kenne Wochenendarbeit, ich kenne ständige Erreichbarkeit. Ich kenne, wenn man trotz großem Einsatz im Job kein einziges Danke hört. Ich bin nie zimperlich gewesen, habe oft wochenlang ohne eine Pause durchgearbeitet. Ich war lange als Redakteurin freiberuflich unterwegs. Es war eine teilweise sehr harte Zeit: ohne Fixvertrag und Versicherung, ohne Anspruch auf Mutterschutz. Ich hatte damals wirklich Angst, ob ich es mir überhaupt erlauben würde können, Kinder zu haben. Es war eine stressige Zeit, die ich nicht missen will, weil sie mich hierhergebracht hat. Der Weg ist das Ziel und ich habe meinen Traumberuf tatsächlich noch gefunden. 

 

Wie schön ist der Gedanke, dass ich abgesichert bin, dass mir mein Job Spaß macht und dass ich mich sogar noch weiter entfalten kann. Dass jedes Mosaikstein auf das andere passt, ist fast unheimlich. Was natürlich nicht bedeutet, dass man sich nie über die Schüler*innen ärgert oder daran zweifelt, ob man das alles richtig macht. Das wird nicht ausbleiben. Es wird Tage geben, da werde ich wütend sein und es wird Tage geben, da werde ich traurig sein, weil es nicht einfach war. Es wird Schicksale geben, die mich berühren werden und es wird Erfolge geben, auf die ich stolz sein werde. Es wird Freudentränen geben, weil wir die Schüler*innen durch eine tolle Schulzeit führen durften. Ich werde manchmal schimpfen und manchmal werde ich nicht mehr weiterwissen. 

 

Aber genau das ist Schule! Schule ist wie das Leben: bunt, fröhlich, traurig, fordernd, ätzend, einfach, schön und das Beste daran ist, wir schaffen das gemeinsam. Auf das freue ich mich schon sehr. 

Sonja Krätschmer

Sonja Krätschmer

Die gebürtige Steierin ist Zweifachmama und war viele Jahren Redakteurin bei der Kleinen Zeitung. Sie folgte nach der Karenz ihrem Hobby und wurde Bibliothekarin. Seit Kurzem ist die Quereinsteigerin in der Mittelschule Spielberg als u. a. Deutschlehrerin tätig.

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