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Digitaler Unterricht

Digitale Bewertungsmethoden und formatives Feedback

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PRIM, SEK 1

In der zunehmend digitalisierten (Schul-)Welt gewinnen auch neue Methoden der Leistungsbewertung und des Feedbacks immer mehr an Bedeutung. Um Schülerinnen und Schülern ein gewinnbringendes, formatives Feedback zu geben, bieten sich verschiedene didaktische Ansätze an.

Formatives versus summatives Feedback

Formatives Feedback bezieht sich auf den Lernprozess und soll Lernende dabei unterstützen, ihre individuellen Stärken und Schwächen zu erkennen und geeignete Lernstrategien zu entwickeln. Es wird während des Lernens gegeben, um den weiteren Lernfortschritt zu beeinflussen. Im Gegensatz dazu dient das summative Feedback, das am Ende einer Lerneinheit oder Prüfung erfolgt, vor allem zur Feststellung des erreichten Leistungsstands.

Formatives Feedback ist besonders wertvoll, da es Schüler*innen dabei unterstützt, eigenständig an ihrer Weiterentwicklung zu arbeiten. Durch die direkte Rückmeldung können Verständnislücken frühzeitig erkannt und gezielt bearbeitet werden.

Digitale Tools für formatives Feedback

Es gibt verschiedene digitale Werkzeuge, die Lehrende nutzen können, um ihren Schüler*innen schnelles und spielerisches formatives Feedback zu geben:

Plickers, Kahoot und Mentimeter
Diese sogenannten Audience-Response-Systeme ermöglichen es Lehrenden, Multiple-Choice-Fragen an die Lernenden zu stellen. Die Schüler*innen antworten dann über ihre Mobilgeräte oder individuelle QR-Codes. Die Antworten werden in Echtzeit ausgewertet und visualisiert, sodass Lehrende direkt sehen, wo und bei wem Verständnislücken bestehen. Der spielerische Charakter dieser Tools wirkt motivierend und aktivierend.

Apps für formatives Feedback:

  • Plickers: Ermöglicht Lehrkräften, Umfragen und Quizfragen durchzuführen, ohne dass Schüler*innen eigene Geräte benötigen. Die Antworten werden mit speziellen QR-Codes und einer Smartphone-Kamera erfasst.
  • Kahoot!: Ein spielerisches Quiz-Tool, das Live-Wettbewerbe und interaktive Fragen ermöglicht. Schüler*innen beantworten Fragen auf ihren Geräten und sammeln Punkte.
  • Mentimeter: Ein interaktives Präsentationstool, mit dem Lehrkräfte Umfragen, Wortwolken und Abstimmungen erstellen können. Lernende nehmen über einen Code in Echtzeit teil.
  • Quizizz: Eine Plattform für selbstgesteuertes Lernen und Quizze, bei denen Schüler*innen in ihrem eigenen Tempo Fragen beantworten können. Bietet sofortiges Feedback und Gamification-Elemente.

Peer-to-Peer-Feedback mit digitalen Tools

Auch Peer-to-Peer-Feedback, also das gegenseitige Feedback unter Lernenden, kann durch den Einsatz digitaler Werkzeuge wie etwa TaskCards erleichtert werden. Lernende können so – beispielsweise durch einfache Likes, Sternebewertungen oder ausführlichere Kommentare – unkompliziert Rückmeldungen zu den Arbeiten ihrer Mitschüler*innen geben und voneinander profitieren. Digitale Tools unterstützen dabei den strukturierten Ablauf und ermöglichen eine bessere Dokumentation des Feedbackprozesses.

Lernmanagement-Systeme und intelligente Tutorensysteme

Über die punktuellen Feedback-Tools hinaus bieten Lernmanagement-Systeme (LMS) wie Moodle oder ItsLearning Lehrenden die Möglichkeit, den Lernfortschritt über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten und ihnen individuelles Feedback zu geben. Intelligente Tutorensysteme (ITS) gehen noch einen Schritt weiter, indem sie den Lernprozess selbstständig analysieren und automatisch angepasste Lernempfehlungen aussprechen.

Solche Systeme haben den Vorteil, dass sie Lehrende entlasten und es ihnen ermöglichen, sich auf die individuelle Förderung der Lernenden zu konzentrieren. Allerdings erfordern sie einen höheren Aufwand bei der Einrichtung und Pflege, da die Systeme an die spezifischen Bedürfnisse der Lerngruppe angepasst werden müssen.

Ausblick: KI-gestütztes Feedback

Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungskontext eröffnet weitere detailliertere Feedback-Möglichkeiten. KI-basierte Systeme können Lernfortschritte automatisch analysieren, individuelle Rückmeldungen geben und sogar konkrete Lernempfehlungen und dazu passende Übungen generieren. Dadurch können Lehrende entlastet und Lernende noch gezielter unterstützt werden.

Allerdings müssen dabei Fragen des Datenschutzes und der Transparenz sorgfältig geklärt werden. Schüler*innen müssen verstehen, wie die KI-Systeme funktionieren und welche Daten sie verwenden. Nur so kann ein vertrauensvoller Umgang mit diesen neuen Technologien sichergestellt werden.

Fazit

Digitale Bewertungsmethoden und formatives Feedback bieten vielfältige Möglichkeiten, den Lernprozess zu unterstützen. Von spielerischen Audience-Response-Systemen bis hin zu intelligenten Tutorensystemen stehen Lehrenden heute zahlreiche innovative Werkzeuge zur Verfügung. Entscheidend ist, diese Methoden zielgerichtet und im Sinne der individuellen Förderung einzusetzen.

Thomas Rudel

Thomas Rudel

ist Gymnasiallehrer für die Fächer Deutsch, Geographie und Medienbildung. Er leitet ein kommunales Medienzentrum und unterstützt die Schulen und Schulträger in allen Bereichen der Medienbildung.

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Michael Reder

Michael Reder

ist Lehrkraft an einem Gymnasium für die Fächer Englisch, Medienbildung und Sport. Als medienpädagogischer Berater unterstützt er Lehrkräfte bei allen Fragen rund um die Medienbildung.

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