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Kolumne

Ein Pandabär spielt Fußball

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Es ist Fastenzeit. Ja, genau. Heuer war der Fasching sehr kurz. Und im Lehrerzimmer war es eine echte Challenge, dass wir noch eine Verkleidung für den Faschingsdienstag finden. Kollegin F. meint im Küchenkammerl, dass Bauernhoftiere cool wären. Ok, damit würde mein Pandabärenkostüm von vor fünf Jahren schon mal ausscheiden.

Ich bin wirklich gerne Panda im Fasching. Das Kostüm kaschiert sämtliche Problemzonen, kalt wird mir auch nicht und ich kann ohne Ende Krapfen essen, weil das Gesicht ja eh weiß geschminkt ist. Und nach der Schule hab ich meistens auch Pandaaugen – kleiner Scherz am Rande. Ich muss gestehen, dass die Faschingszeit extrem wichtig für mich ist. Als jahrelanges Mitglied eines Faschingsvereins war die fünfte Jahreszeit einfach mein Ding. Egal, welche Sause anstand, ich war mittendrin. Deswegen bin ich sofort dabei als es heißt: Alle Lehrer*innen verkleiden sich am Faschingsdienstag und wir gehen als Gruppe. Kollege K. meint, Schlümpfe wären der Hit, worauf unsere Werklehrerin Kollegin S. sofort in die Bresche springt und Schlumpfmützen basteln will. „Ja, okay. Aber bitte ich kann das nicht“, meine ich ehrlich. Kein Problem: Kollegin S. ist bereit, sämtliche Schlumpfhauben zu nähen/basteln oder was weiß ich. Bin dem Thema Schlumpf nicht abgeneigt. Allerdings stößt Kollegin M. die blaue Schminke im Gesicht sauer auf. „Das juckt dann so“, sagt sie. Ok, die Schlümpfe sind vom Tisch. Ich hoffe noch immer auf Zootiere und stelle mich bereits als dicker zufriedener krapfenessender Panda vor. Herrlich! 

Es läutet und ich muss in DIE eine Klasse. In diese eine, die mir den Puls in die Höhe treibt. Obwohl es ganz liebe Kids sind, aber ich muss gestehen: Es hapert. Es hapert beim Lesen. Ganz schwierige Baustelle. Ich bin sicher, dass wir in diesem Jahr die Lesekompetenz definitiv steigern werden, aber gerade in einem gewissen Alter ist alles andere interessanter als eine Story über drei einsame Cowboys, die im Goldrausch zum Yukon reiten. „Frau Lehrerin, ich verstehe das einfach nicht“, klagt Jessica. „Was denn genau?“, frage ich liebenswürdig. „Na ja, den ganzen Text. Was tun die da? Ich kapiere es nicht!“, meint die kleine Schülerin aus der ersten Reihe. Ok, ich leiere noch mal von vorne meine Erklärung runter. Ob sie es jetzt verstehen? Ich bekomme leider keine Rückmeldung, denn es läutet schon wieder und in der großen Pause muss ich heute raus. 

Hofpause. Es ist wirklich kalt und ich wünsche mir mein Pandakostüm herbei. Das wäre wirklich herrlich kuschelig warm. Ich bin definitiv Team Zootiere und nehme mir fest vor, meinen Kostümwunsch den Kolleg*innen ans Herz zu legen. Aber vorher muss ich noch ein paar Hefte anschauen und die Schularbeit finalisieren. 

Nach meiner Freistunde erwische ich Kollegin S., ihres Zeichen Schlumpfhutexpertin und Werkprofi. „Du, wie schaut es aus, wenn wir als Zootiere gehen im Fasching? Das wäre doch super, da hätten wir echt viele Möglichkeiten“, schwärme ich ihr vor. Kollegin S. nickt bedächtig und haut dann die Bombe raus: „Ich glaub, wir haben uns für das Thema Märchen entschieden.“ Aha. Märchen. Gibt es denn ein Märchen mit einem Panda, grüble ich in mich hinein. „Tao Tao“, eine japanische Zeichentrickserie aus den 80er-Jahren kommt mir in den Sinn, aber ob das als Märchen durchgeht? Und was ist mit diesem lustigen kämpfenden Panda, der in Japan lebt? Ist das ein Märchen? Ich sehe mich schon als Zwerg in der Parade mitgehen und resigniere. Aber ich werde mal in meinen ersten Klassen recherchieren, denn da steht gerade das Thema Märchen am Programm. Die Gebrüder Grimm lassen grüßen und das Pandabärenkostüm rückt in weite Ferne. „Habt ihr eventuell schon einmal ein Märchen mit einem Pandabären gelesen?“, frage ich ernsthaft in die Klasse. „Ähm nein, Frau Lehrerin. Ich kenne nur Goldlöcken und die drei Bären“, meint Mia. Verdammt. „Weitere Ideen?“, frage ich und fragende Gesichter starren mich an. Nun gut, das war nicht sehr ergiebig.

Und dann kam doch alles anders: Kollege Z. will als Fußballmannschaft gehen und ich gebe innerlich auf. Eventuell brauchen wir ja noch einen Ball, dann kann ich auch figurkaschierenderweise beruhigt meinen Faschingsdienstag verbringen. 

Aber wie gesagt jetzt ist ja Fastenzeit und ich übe mich in Zurückhaltung, was dann wirklich am Faschingsdienstag passiert ist. Eine Lady schweigt und na ja schweigt. Ich kann nur eines sagen: Krapfen hab ich viele gegessen. 

Sonja Krätschmer

Sonja Krätschmer

Die gebürtige Steierin ist Zweifachmama und war viele Jahren Redakteurin bei der Kleinen Zeitung. Sie folgte nach der Karenz ihrem Hobby und wurde Bibliothekarin. Seit Kurzem ist die Quereinsteigerin in der Mittelschule Spielberg als u. a. Deutschlehrerin tätig.

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